Kennen Sie das Gefühl, wenn etwas in der Luft liegt, aber niemand es anspricht?
Wenn im Team Spannungen spürbar sind, aber niemand so richtig weiss, wie damit umzugehen ist?
Wenn Probleme stillschweigend mitgetragen, aber nicht gelöst werden?
In solchen Momenten wird oft gehofft, dass es «von selbst» besser wird. Meistens ist das jedoch eine Illusion.
Was psychische Langzeitabsenzen mit Konflikten zu tun haben
Was passiert, wenn gar nichts geschieht. Wenn das Aushalten zur Dauerlösung wird?
Laut einer aktuellen Auswertung der Krankentaggeldversicherung Swica entstehen 57 % der psychischen Langzeitabsenzen in der Schweiz durch Konflikte am Arbeitsplatz.
Susann Bongers wurde für einen Artikel im Tagesanzeiger dazu interviewt. Die Botschaft ist klar: Nicht bearbeitete Konflikte können gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit von Mitarbeitenden und die Leistungsfähigkeit von Organisationen haben.
Konflikte sind selten der einzige Auslöser, aber oft der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Was Organisationen tun können
Wir können Konflikte nicht verhindern, aber wir können lernen, besser mit ihnen umzugehen.
Konflikten früh zu begegnen und eine offene Konfliktkultur zu fördern, kann Langzeitabsenzen vorbeugen:
- Frühzeitiges Ansprechen schützt vor Eskalation.
- Eine offene Kommunikationskultur schafft Sicherheit.
- Eine gelebte Feedbackkultur gibt Raum für Entwicklung.
Was dabei hilft: Rollen, Erwartungen, Zuständigkeiten und Spielregeln gemeinsam und präzise klären. Was für eine Person selbstverständlich ist, kann von einer anderen ganz anders interpretiert werden.
Gesundheit am Arbeitsplatz beginnt im Team
Gesundheit ist mehr als ein individuelles Thema, sie entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie ist eng verbunden mit dem sozialen Klima am Arbeitsplatz.
Führungskräfte müssen keine Psycholog:innen sein, aber sie spielen eine Schlüsselrolle: Sie prägen die Teamkultur, setzen den Ton für Kommunikation und können belastende Muster frühzeitig erkennen.
Das bedeutet nicht, jede Situation allein lösen zu müssen. Es geht vielmehr darum, handlungsfähig zu bleiben, sich Unterstützung zu holen, und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Mitarbeitende sicher fühlen, auch heikle Themen anzusprechen.
Was Sie konkret tun können
Auch mit kleinen Schritten können Sie viel bewirken. Hier einige Impulse aus unserer Praxis, die einen grossen Unterschied machen können:
- Führen Sie regelmässig Gespräche mit Ihrem Team, nicht nur über Aufgaben, sondern auch über das Miteinander. Wo stehen wir? Was läuft gut? Was braucht mehr Aufmerksamkeit?
- Klären Sie Erwartungen. Fragen Sie nach, was andere wirklich brauchen. Und formulieren Sie Ihre eigenen Erwartungen, bevor Missverständnisse entstehen.
- Nutzen Sie Coaching als Sparring, um sich selbst zu sortieren. Sie müssen nicht alles allein lösen.
- Holen Sie sich Unterstützung, bevor alles festgefahren ist (z. B. durch Trainings, Moderation, Team-Workshops, Mediation oder präventive Begleitung bei komplexen Projekten).
Und was denken Sie dazu?
Vielleicht denken Sie jetzt: Das bekommen wir auch allein hin – wir brauchen nicht für jeden Schritt externe Unterstützung.
Und ja, oft stimmt das auch.
Unsere Erfahrung zeigt allerdings: Wir werden häufig erst hinzugezogen, wenn das sprichwörtliche Geschirr bereits zerschlagen am Boden liegt – und dann werden Wunder erwartet.
Dazwischen liegt ein Raum voller Möglichkeiten.
Was es kostet, nichts zu tun
Die Expertise und Zeit einer externen Unterstützung in der Konfliktbearbeitung hat ihren Preis, und ist oft nicht budgetiert. Doch warum eigentlich nicht?
Die Kosten, die entstehen, wenn Konflikte ungelöst bleiben, werden selten dazu verglichen: psychische Belastungen, Absenzen, Kündigungen, Rekrutierungsaufwand, Fluktuation, juristische Abklärungen bis hin zu Rechtsstreitigkeiten.
Das sind Folgen, die sich nicht immer in Zahlen ausdrücken lassen, aber auf Dauer schwer wiegen.
Eine Mediation wirkt im Vergleich oft wie eine kleine Investition mit grosser Wirkung.
Es geht nicht darum, jedes Gespräch auszulagern oder für jedes Problem eine externe Lösung zu suchen. Es geht darum, rechtzeitig hinzuschauen, und rechtzeitig zu intervenieren. Es geht auch darum, bewusst zu entscheiden, wo und wann investiert wird, bevor Konflikte krank machen.
Denn Konflikte sind nicht das Problem. Gefährlich wird es, wenn niemand mehr hinschaut und hinhört.








