Pamina Sulzberger

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25. September 2025

Warum Konfliktbearbeitung ins Jahresbudget gehört

a red-haired woman and a man listen attentively during a team meeting.
Photo by Sebastian Herrmann @officestock via Unsplash

Was uns in unserer Mediationspraxis häufig begegnet:

Wir werden angefragt für die Klärung eines Konfliktes, es muss schnell gehen und nach Möglichkeit sofort starten. Wir erstellen eine approximative Offerte aufgrund von Erfahrungswerten (dennoch ist kein Fall wie der andere) – und erhalten dann die Rückmeldung: «Das haben wir nicht budgetiert.»

Plötzlich geht es um Preise. Um einzelne Stundenansätze. Um den Umfang. Um die Frage, ob man sich das «leisten» könne. Manchmal sogar darum, ob es überhaupt nötig sei oder ob nicht nur die beiden direkt Beteiligten einbezogen werden könnten, anstelle vom ganzen Team. Das obwohl längst schon Koalitionen innerhalb des Teams gebildet wurden und von guter Zusammenarbeit keine Rede mehr ist.

Doch die viel grundlegendere Frage lautet:

Warum wird Konfliktbearbeitung nicht – wie andere Ausgaben auch – selbstverständlich ins Jahresbudget aufgenommen?

Wofür wir Budgets schaffen​

Für Weihnachtsessen gibt es Mittel.
Für Teamevents ebenso.
Für Weiterbildungen, neue Software, externe Beratungen oder Betriebsausflüge findet sich in den meisten Organisationen ein eigener Budgetposten.

Doch für Konfliktbearbeitung oder Mediation? Meist Fehlanzeige.

Die Begründungen klingen oft ähnlich:

«Wir haben doch keine Konflikte.»
«Das kriegen wir schon selber hin.»
«Das brauchen wir nicht.»

Ist es wirklich so?

Wir alle haben eine Krankenversicherung – auch wenn wir gesund sind.

Wir alle haben eine Autoversicherung – auch wenn wir vorsichtig fahren.

Wir zahlen, in der Hoffnung, sie nie zu brauchen.
Und sind sehr froh, sie zu haben, wenn es doch so weit kommt.

Warum also nicht auch ein Budget für Konfliktklärung?

Gerade weil Konflikte unausweichlich sind, macht es Sinn, vorbereitet zu sein.

Ein Budget dafür zu haben, bedeutet nicht, ständig externe Unterstützung einzubeziehen.

Es bedeutet, die Möglichkeit offen zu halten, rechtzeitig und schnell zu handeln – bevor aus einer kleinen Irritation eine handfeste Krise wird.

Was es kostet, nichts zu tun

Denn wenn Konflikte unbearbeitet bleiben, wird es richtig teuer.

Nicht unbedingt, weil eine spätere Mediation mehr kostet. Die Möglichkeit, eine Konfliktsituation zu klären wird nach Dauer des Konfliktes und der jeweiligen Eskalation immer anspruchsvoller zu lösen, da die Bereitschaft sinkt.

…. und, weil die indirekten Konfliktkosten enorm sind:

  • Krankheitsbedingte Absenzen
  • Fluktuation und Rekrutierungsaufwände
  • Vertrauensverlust im Team
  • Ineffizienz, wenn sich alles nur noch um den Konflikt dreht
  • im schlimmsten Fall juristische Klärungen oder Rechtsstreitigkeiten

Diese Kosten erscheinen in keiner Offerte. Aber sie schlagen sich unweigerlich in der Unternehmensbilanz nieder.

Ein Perspektivenwechsel

Konfliktbearbeitung ist kein Luxus, sondern eine Investition – in Gesundheit, Zusammenarbeit und Zukunftsfähigkeit.

Konflikte sind nicht nur Störungen, sie sind Symptome. Die Kunst darin und der Mehrwert entsteht, wenn sich Organisationen fragen: Was hat diesen Konflikt ermöglicht? um daraus einen Nutzen zu ziehen, damit sich Ähnliches nicht wiederholt.

Ein bewusst eingeplantes Budget dafür ist ein Signal:

  • an Führungskräfte, dass sie nicht alles allein tragen müssen,
  • an Teams, dass Konflikte Teil von Zusammenarbeit sind,
  • und an die Organisation, dass sie langfristig leistungsfähig bleiben will.

Vielleicht würden Konflikte dann auch früher angesprochen werden.

Bevor Vertrauen bricht.
Bevor Porzellan zerschlagen ist.
Bevor aus einer lösbaren Spannung ein handfester Schaden entsteht.

Unsere Einladung an Sie

Denken Sie bei der Jahresplanung Ihres Unternehmensbudgets auch an das Unerwartete.

Es kann nur Gutes dabei herauskommen:

  • Wenn das Budget nicht gebraucht wird, darf man sich freuen und für etwas anderes Sinnvolles einsetzen.
  • Und wenn es in Anspruch genommen wird, zahlt es sich doppelt aus – weil Konflikte zur Chance für Entwicklung werden.